Millionäre verlassen Deutschland: Ihre Top 12 Ziele
Vermögen ist mobil, und es stimmt zunehmend mit den Füßen ab. 2025 verliert Deutschland laut dem Migrationsreport von Henley & Partners erstmals netto Millionäre, während die Vereinigten Arabischen Emirate, die USA und Italien Rekordzahlen anziehen. Diese Datenanalyse zeigt, wie viele gehen, wohin das Geld zieht und warum gerade Deutschland an Anziehungskraft verliert.
- 2025 wandern laut Henley & Partners weltweit 142.000 Millionäre aus, ein Rekord, und Deutschland verliert erstmals netto rund 400 Millionäre.
- Top-Ziele sind die VAE (plus 9.800), die USA (plus 7.500) und Italien (plus 3.600), das beliebteste Ziel in Europa.
- Steuerregime locken gezielt: Italiens Flat Tax, Griechenlands und Portugals Pauschalmodelle, Spaniens Beckham Law.
- In Deutschland verschärft die Wegzugsteuer den Druck, während über eine neue Vermögensteuer diskutiert wird.
- Auch jenseits der Millionäre fällt der Saldo: 2025 wanderten netto 97.000 Deutsche mehr aus als zurück, viele davon hochqualifiziert.
Die globale Millionärsflucht
Ein neuer Rekord an Auswanderern
Laut dem Henley Private Wealth Migration Report verlassen 2025 weltweit rund 142.000 Millionäre ihr Heimatland, so viele wie nie zuvor. Vermögende sind global so mobil wie nie, und ihre Wohnsitzwahl ist längst auch eine Standortabstimmung über ganze Volkswirtschaften.1
Deutschland erstmals im Minus
Erstmals seit Beginn der Erfassung verliert Deutschland 2025 netto rund 400 Millionäre, gemeinsam mit Frankreich und Spanien. Für ein Land, das jahrzehntelang Vermögen anzog, ist schon die Trendwende ein Alarmsignal, unabhängig von der absoluten Höhe.2
Großbritannien und China verlieren am meisten
Die größten Abflüsse verzeichnen andere: Großbritannien verliert 2025 rund 16.500 Millionäre, China 7.800. Der britische Wert ist der höchste je gemessene Netto-Abfluss eines Landes, ein warnendes Beispiel, wie schnell Vermögen abwandern kann.3
Auch Frankreich und Spanien kippen
Mit Deutschland rutschen Frankreich (minus 800) und Spanien (minus 500) erstmals ins Minus. Die großen kontinentaleuropäischen Volkswirtschaften verlieren damit gleichzeitig Vermögende, ein Muster, das auf gemeinsame Ursachen wie Steuerlast und Wachstumsschwäche hindeutet.4
Deutschlands Millionärsbestand schrumpft
Auch der Bestand sinkt: Laut UBS gab es 2024 in Deutschland rund 1,6 Millionen Dollar-Millionäre, etwa 41.000 weniger als im Vorjahr, ein Minus von 2,5 Prozent, begründet mit der wirtschaftlichen Stagnation. Deutschland wird also nicht nur verlassen, es entstehen auch weniger neue Vermögen.5
Die Top 12 Zielländer
Die Top 12 auf einen Blick
Laut Henley & Partners führen 2025 die Vereinigten Arabischen Emirate (+9.800), die USA (+7.500), Italien (+3.600), die Schweiz (+3.000) und Saudi-Arabien (+2.400) die Rangliste der Zielländer an. Dahinter folgen Portugal (+1.400), Griechenland (+1.200), Singapur, Kanada, Australien, Hongkong und Japan. Zwölf Länder, die Vermögende gezielt anziehen.6
Die Emirate sind das Topziel
Klarer Gewinner sind die Vereinigten Arabischen Emirate: Sie ziehen 2025 rund 9.800 Millionäre an, das vierte Jahr in Folge weltweit an der Spitze, mit einem zuwandernden Vermögen von etwa 63 Milliarden Dollar. Null Einkommensteuer und großzügige Visa wirken wie ein Magnet.7
Die USA und Italien folgen
Auf Platz zwei stehen die USA mit rund 7.500 zugewanderten Millionären 2025, in Europa führt Italien mit etwa 3.600. Trotz hoher US-Steuern überzeugen Wachstum und Kapitalmärkte, in Italien lockt eine Pauschalsteuer für Zugezogene. Genau diese Faktoren fehlen Deutschland.8
Die europäischen Magneten holen auf
Auch andere Europäer gewinnen: Die Schweiz zieht rund 3.000, Portugal 1.400 und Griechenland 1.200 Millionäre im Jahr 2025 an. Alle drei locken mit Pauschal- oder Sonderbesteuerung, während Deutschland in derselben Rangliste klar auf der Verliererseite steht.9
Immer mehr Deutsche prüfen den Absprung
Das Interesse wächst rasant: Laut Henley stieg die Zahl der Anfragen aus Deutschland nach einem alternativen Wohnsitz oder Pass zwischen 2023 und 2024 um 114 Prozent, einer der stärksten Anstiege Westeuropas. Der Exodus beginnt im Kopf, lange bevor er in der Statistik auftaucht.10
Die Steuer-Magneten
Italiens Flat Tax
Italien lockt Zuzügler mit einer Pauschalsteuer von 200.000 Euro pro Jahr auf alle Auslandseinkünfte, ab 2026 angehoben auf 300.000 Euro. Selbst nach der Verdopplung bleibt das Modell attraktiv genug, um Italien zum Spitzenziel Europas zu machen.11
Griechenlands Pauschalmodell
Griechenland bietet Neuansässigen eine Non-Dom-Pauschale von 100.000 Euro pro Jahr auf Auslandseinkünfte, für bis zu 15 Jahre. Mehrere Mittelmeerländer konkurrieren inzwischen offen um wohlhabende Zuwanderer, ein Wettbewerb, in dem Deutschland nicht mitbietet.12
Spaniens Beckham Law
Spanien besteuert qualifizierte Zuzügler über die sogenannte Beckham Law mit einem festen Satz von 24 Prozent statt bis zu 47 Prozent, für sechs Jahre. Auch Remote-Beschäftigte ausländischer Firmen können das Regime seit 2023 nutzen.13
Portugals Nachfolgemodell
Nach dem Auslaufen des alten NHR-Status führte Portugal das Modell IFICI ein, mit einem Pauschalsatz von 20 Prozent und weitgehender Befreiung von Auslandseinkünften für zehn Jahre. Der Standortwettbewerb um Talente und Vermögen wird mit Steuerpolitik geführt.14
Warum Deutschland verliert
Die Wegzugsteuer als Hürde
Wer aus Deutschland wegzieht und Anteile an Kapitalgesellschaften hält, zahlt über die Wegzugsteuer nach Paragraf 6 AStG sofort 25 Prozent plus Soli auf fiktive Veräußerungsgewinne. Das bindet Unternehmer faktisch an den Standort, statt ihn attraktiv zu machen.15
2025 noch verschärft
Seit 2025 ist es zudem strenger: Die zinslose, unbefristete Stundung der Wegzugsteuer entfällt, und auch Investmentfondsanteile im Privatvermögen werden erfasst. Während andere Länder Anreize setzen, erhöht Deutschland die Austrittskosten.16
Die nächste Debatte läuft schon
Der Druck dürfte steigen: Im März 2026 debattierte der Bundestag erstmals wieder über die Wiedererhebung der Vermögensteuer. Schon die Aussicht auf zusätzliche Substanzbesteuerung beschleunigt erfahrungsgemäß die Wegzugsplanung vermögender Familien.17
Jeder dritte Millionär denkt ans Gehen
Laut einer Umfrage von Arton Capital sind nach der Bundestagswahl 37 Prozent der befragten deutschen Millionäre eher bereit auszuwandern. Als Gründe nennen sie unter anderem sinkende Lebensqualität, politische Unsicherheit und die Aussicht auf höhere Steuern.18
Auch die Fachkräfte gehen
Mehr Deutsche wandern aus als zurück
Es sind nicht nur Millionäre: 2025 lag der Wanderungssaldo deutscher Staatsangehöriger bei minus 97.000, beliebteste Ziele waren die Schweiz, Österreich und Spanien. Wer Leistungsträger verliert, verliert Steuerzahler, Gründer und Wissen zugleich.19
Es gehen die Qualifizierten
Besonders bitter: Rund 27.500 Deutsche mit Hochschulabschluss verlassen jährlich das Land, über 70 Prozent der Auswanderer sind hochqualifiziert. Es wandert also genau die Gruppe ab, die eine alternde Volkswirtschaft am dringendsten bräuchte.20
Unser Befund: ein Symptom, kein Zufall
Aus unserer Sicht ist die Vermögens- und Talentflucht kein isoliertes Steuerthema, sondern ein Symptom der gleichen Schwäche, die auch die Insolvenzen treibt. InsolvenzTracker zählt 14.675 eröffnete Unternehmensinsolvenzen bis Mai 2026. Wo Kapital, Köpfe und Unternehmen gleichzeitig gehen, ist das Problem strukturell, nicht konjunkturell.21
Häufige Fragen
Verlassen wirklich Millionäre Deutschland?
2025 verliert Deutschland laut dem Henley Private Wealth Migration Report erstmals seit Beginn der Erfassung netto rund 400 Millionäre, gemeinsam mit Frankreich und Spanien. Weltweit wandern 2025 rund 142.000 Millionäre aus, so viele wie nie zuvor.
Wohin ziehen die meisten Millionäre?
Top-Ziele sind 2025 die Vereinigten Arabischen Emirate (plus 9.800), die USA (plus 7.500), Italien (plus 3.600), die Schweiz (plus 3.000) und Saudi-Arabien (plus 2.400). Italien ist das beliebteste Ziel innerhalb Europas.
Warum wandern Millionäre aus Deutschland ab?
Vor allem wegen der Steuerlast. Andere Länder locken gezielt: Italien mit einer Flat Tax von 200.000 Euro (ab 2026: 300.000 Euro), Griechenland mit 100.000 Euro Pauschale und Spanien mit der Beckham Law (24 Prozent). In Deutschland verschärft die Wegzugsteuer den Druck, während über eine neue Vermögensteuer diskutiert wird.
Was ist die Wegzugsteuer?
Wer aus Deutschland wegzieht und Anteile an Kapitalgesellschaften hält, zahlt über die Wegzugsteuer nach Paragraf 6 AStG sofort 25 Prozent plus Soli auf fiktive Veräußerungsgewinne. Seit 2025 ist die Regel strenger: Die zinslose, unbefristete Stundung entfällt, und auch Investmentfondsanteile im Privatvermögen werden erfasst.
Wandern nur Millionäre aus oder auch Fachkräfte?
Nicht nur Millionäre. 2025 lag der Wanderungssaldo deutscher Staatsangehöriger bei minus 97.000. Rund 27.500 Deutsche mit Hochschulabschluss verlassen jährlich das Land, über 70 Prozent der Auswanderer sind hochqualifiziert.
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Quellen
- 1 Henley & Partners (henleyglobal.com)
- 2 Henley & Partners (henleyglobal.com)
- 3 Henley & Partners (henleyglobal.com)
- 4 Henley & Partners (henleyglobal.com)
- 5 UBS (ubs.com)
- 6 Henley & Partners (henleyglobal.com)
- 7 Henley & Partners (henleyglobal.com)
- 8 Visual Capitalist (visualcapitalist.com)
- 9 Henley & Partners (henleyglobal.com)
- 10 Henley & Partners (henleyglobal.com)
- 11 PwC Tax Summaries (taxsummaries.pwc.com)
- 12 PwC Tax Summaries (taxsummaries.pwc.com)
- 13 Martínez-Cardós Abogados (martinezcardos.es)
- 14 Almeida & Associados (ada-legal.com)
- 15 Wise (wise.com)
- 16 Noerr (noerr.com)
- 17 Deutscher Bundestag (bundestag.de)
- 18 Arton Capital (artoncapital.com)
- 19 Statistisches Bundesamt (destatis.de)
- 20 BiB (bib.bund.de)
- 21 InsolvenzTracker (insolvenztracker.de)
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