Insolvenzwelle 2026: Bereits 14.675 Insolvenzen (Analyse)
Die amtliche Statistik meldete für den Februar 2026 ein kleines Minus, und doch erlebt Deutschland gerade die schwerste Insolvenzwelle seit der Finanzkrise. Allein bis Ende Mai 2026 hat InsolvenzTracker 14.675 eröffnete Unternehmensinsolvenzen aus den amtlichen Bekanntmachungen erfasst, fast ein Drittel mehr als im Vorjahreszeitraum. Diese Datenanalyse ordnet ein, wie groß die Welle wirklich ist, wen sie trifft und warum 2026 keine Entspannung bringt.
- Bis Ende Mai 2026 zählt InsolvenzTracker 14.675 eröffnete Firmeninsolvenzen, rund 32 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum 2025.
- 2025 war mit 24.064 Unternehmensinsolvenzen das schlechteste Jahr seit 2014, das IWH sieht das erste Quartal 2026 sogar über dem Finanzkrisenniveau von 2009.
- Der wirtschaftliche Schaden lag 2025 bei rund 57 Milliarden Euro, etwa 285.000 Arbeitnehmer waren betroffen.
- Am härtesten trifft es Metallverarbeitung, Autozulieferer und Einzelhandel, längst nicht mehr nur Kleinstbetriebe.
- Die Prognosen für 2026 reichen von 24.500 (Allianz Trade) bis 30.000 Fällen (Atradius), eine Trendwende erwarten Ökonomen frühestens 2027.
Wie groß die Welle 2026 wirklich ist
Das schlechteste Jahr seit über einem Jahrzehnt
24.064 Unternehmensinsolvenzen registrierten die deutschen Amtsgerichte 2025, ein Plus von 10,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Höher lag die Zahl zuletzt 2014 mit 24.085 Fällen. Nach zwei Jahren mit Zuwächsen von jeweils über 20 Prozent verlangsamt sich der Anstieg zwar, das Niveau bleibt aber außergewöhnlich hoch.1
Das erste Quartal 2026 übertrifft die Finanzkrise
Das IWH Halle zählte im ersten Quartal 2026 rund 4.573 Insolvenzen von Personen- und Kapitalgesellschaften, den höchsten Quartalswert seit dem dritten Quartal 2005. Damit liegt die Zahl sogar über dem Höhepunkt der Finanzkrise 2009. Das Institut wertet die Bekanntmachungen monatlich aus und meldet deutlich früher als die amtliche Statistik.2
Unsere Daten: 14.675 Eröffnungen bis Ende Mai
In der eigenen Auswertung der amtlichen Bekanntmachungen zählt InsolvenzTracker 14.675 eröffnete Unternehmensinsolvenzen von Januar bis Mai 2026, gegenüber 11.071 im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Das ist ein Anstieg von fast 33 Prozent. Der März 2026 war mit 3.286 Eröffnungen der bislang stärkste Einzelmonat.3
Alle 20 Minuten eine Pleite
Die DIHK rechnet das Geschehen anschaulich um: Im Schnitt meldete 2025 alle 20 Minuten ein Unternehmen Insolvenz an, eine so hohe Frequenz wie seit elf Jahren nicht mehr. Im Dezember 2025 lag die Zahl der Regelinsolvenzen sogar auf dem höchsten Stand seit 14 Jahren. Die Kammer fordert überfällige Reformen bei Energie, Kosten und Bürokratie.4
Warum die offizielle Statistik beruhigt und trotzdem täuscht
Der Februar sah harmlos aus
Ausgerechnet die meistzitierte Quelle wirkt entwarnend: Für den Februar 2026 meldete Destatis nur 2.053 beantragte Unternehmensinsolvenzen, ein Minus von 0,7 Prozent zum Vorjahresmonat. Wer allein auf diese Schlagzeile schaut, könnte das Schlimmste für überstanden halten. Das ist ein Trugschluss, der Lieferanten teuer zu stehen kommen kann.5
Die schnelleren Daten zeigen Rekorde
Die zeitnäheren Reihen erzählen das Gegenteil. Das IWH meldete für den März 2026 rund 1.716 Insolvenzen, 18 Prozent mehr als ein Jahr zuvor und den höchsten Monatswert seit Juni 2005. Die amtliche Statistik hinkt der Realität strukturell hinterher, weil Anträge erst mit Verzögerung in die offiziellen Zahlen einfließen.6
Wochen Vorsprung entscheiden für Gläubiger
Genau hier liegt der Wert der Bekanntmachungen. InsolvenzTracker erfasste im ersten Quartal 2026 bereits 8.647 Eröffnungen, nach 6.521 im Vorjahresquartal. Für Lieferanten und Geschäftspartner zählt jeder Tag Vorsprung: Wer früh sieht, dass ein Kunde kippt, kann Forderungen anmelden oder Lieferungen stoppen, bevor die Statistik den Fall überhaupt kennt.7
Was die Pleiten kosten
57 Milliarden Euro Schaden
Creditreform beziffert die Schadensumme der Insolvenzen 2025 auf rund 57 Milliarden Euro bei 23.900 gezählten Unternehmensinsolvenzen, dem höchsten Stand seit mehr als zehn Jahren. Im Schnitt entfielen mehr als zwei Millionen Euro ausfallbedrohte Forderungen auf jeden einzelnen Fall. Eine Kundeninsolvenz kann so die eigene Liquidität gefährden.8
Fast 48 Milliarden offene Gläubigerforderungen
Die amtliche Statistik bestätigt die Größenordnung: Die Forderungen der Gläubiger aus den 2025 gemeldeten Fällen bezifferten die Amtsgerichte auf rund 47,9 Milliarden Euro. Dass dieser Wert trotz mehr Fällen unter dem Vorjahr liegt, zeigt nur, dass 2024 einige besonders große Konzerne dabei waren, nicht, dass der Druck nachlässt.9
285.000 betroffene Arbeitnehmer
Hinter den Zahlen stehen Menschen. Nach Creditreform waren 2025 rund 285.000 Arbeitnehmer von Unternehmensinsolvenzen betroffen. Das IWH kommt mit etwa 170.000 Arbeitsplätzen auf einen niedrigeren Wert, weil es nur Personen- und Kapitalgesellschaften zählt. Beide Reihen zeigen dasselbe: Es trifft längst nicht mehr nur Kleinstbetriebe.10
Jedes zwölfte Unternehmen sieht sich bedroht
Die Stimmung verschärft den Befund. Laut ifo-Institut sahen im Frühjahr 2026 8,1 Prozent aller Unternehmen ihre wirtschaftliche Existenz gefährdet, im Einzelhandel sogar 17,4 Prozent, ein Rekordwert. Wenn jedes zwölfte Unternehmen ums Überleben fürchtet, ist die Insolvenzwelle keine Momentaufnahme, sondern ein Ausblick.11
Wo es am heftigsten brennt
Großinsolvenzen haben sich fast verdreifacht
Die Beratung FalkenSteg zählte 2025 471 Großinsolvenzen von Unternehmen mit mehr als zehn Millionen Euro Umsatz, ein Viertel mehr als im Vorjahr. Seit der Pleitedelle von 2021 mit nur 163 Fällen hat sich die Zahl fast verdreifacht. Am häufigsten traf es Metallwarenhersteller, Automobilzulieferer und die Elektrotechnik, das industrielle Rückgrat.12
Die Autoindustrie verliert ihr Rückgrat
Besonders dramatisch ist der Aderlass bei den Zulieferern. Nach einer Analyse von Oliver Wyman verlor die deutsche Zulieferindustrie seit 2019 rund 73.000 Arbeitsplätze, allein 29.000 davon im Jahr 2025. Der teure Umstieg auf die Elektromobilität trifft hier auf schwache Nachfrage, hohe Energiekosten und asiatische Konkurrenz.13
Bekannte Namen verschwinden
Die Welle erreicht etablierte Mittelständler. 2025 und Anfang 2026 meldeten unter anderem der Zulieferer Eissmann Automotive mit rund 3.200 Beschäftigten und die Schlote Gruppe mit etwa 1.350 Mitarbeitern Insolvenz an. Beide Verfahren liefen unter Eigenverwaltung oder Investorensuche weiter, doch die Arbeitsplätze stehen auf der Kippe.14
Auch der Handel wankt
Im Einzelhandel trifft es Marken mit jahrzehntelanger Geschichte. Der Modekonzern Gerry Weber meldete im Frühjahr 2025 zum dritten Mal in sechs Jahren Insolvenz an und zog sich aus dem stationären Geschäft in Deutschland weitgehend zurück. Konsumzurückhaltung, Onlinekonkurrenz und ausländische Billiganbieter setzen die Branche unter Dauerdruck.15
Warum 2026 keine Wende bringt
Die Prognosen kennen nur eine Richtung
Der Kreditversicherer Allianz Trade erwartet für 2026 rund 24.500 Unternehmensinsolvenzen, den höchsten Wert seit zwölf Jahren. Der prognostizierte Anstieg fällt mit etwa einem Prozent zwar kleiner aus als zuvor, eine echte Trendwende sehen die Analysten aber erst 2027. Bis dahin bleibt das Niveau auf Rekordkurs.16
Im pessimistischen Szenario bis zu 30.000 Fälle
Andere Häuser sind noch düsterer. Atradius hält für 2026 bis zu 30.000 Unternehmensinsolvenzen und Forderungsausfälle von bis zu 65 Milliarden Euro für möglich und spricht von der schwersten Insolvenzwelle seit zwei Jahrzehnten. Die Erholung werde "u-förmig" verlaufen, also lang und zäh, nicht als schnelle Gegenbewegung.17
Es ist keine Konjunktur, es ist Struktur
Die Einordnung aus unserer Sicht: Die Politik hofft auf den Konjunkturzyklus, die Daten sprechen von einem Strukturbruch. Energiepreise, Bürokratie, das Ende des billigen Geldes und die Transformation der Industrie wirken gleichzeitig. In den ersten Monaten 2026 führt Nordrhein-Westfalen mit 3.253 eröffneten Verfahren. Wer Gläubiger ist, sollte sich nicht auf die nächste Quartalsmeldung verlassen, sondern die Bekanntmachungen selbst beobachten.18
Häufige Fragen
Wie viele Unternehmensinsolvenzen gab es 2025 in Deutschland?
Die deutschen Amtsgerichte registrierten 2025 rund 24.064 Unternehmensinsolvenzen, ein Plus von 10,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr und der höchste Stand seit 2014. Creditreform zählte 23.900 Fälle mit einer Schadensumme von rund 57 Milliarden Euro.
Wie viele Insolvenzen gibt es 2026 bereits?
InsolvenzTracker hat in der Auswertung der amtlichen Bekanntmachungen von Januar bis Mai 2026 rund 14.675 eröffnete Unternehmensinsolvenzen erfasst, gegenüber 11.071 im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Das ist ein Anstieg von fast 33 Prozent. Der März 2026 war mit 3.286 Eröffnungen der stärkste Einzelmonat.
Warum meldet die amtliche Statistik trotzdem sinkende Zahlen?
Für Februar 2026 meldete Destatis nur 2.053 beantragte Insolvenzen, ein Minus von 0,7 Prozent. Die amtliche Statistik hinkt der Realität strukturell hinterher, weil Anträge erst mit Verzögerung einfließen. Zeitnähere Reihen wie die des IWH Halle zeigen für März 2026 rund 1.716 Fälle, 18 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.
Welche Branchen sind am stärksten von der Insolvenzwelle betroffen?
Am härtesten trifft es Metallverarbeitung, Automobilzulieferer, Elektrotechnik und den Einzelhandel. FalkenSteg zählte 2025 rund 471 Großinsolvenzen von Unternehmen mit mehr als zehn Millionen Euro Umsatz, ein Viertel mehr als im Vorjahr. Die Zulieferindustrie verlor seit 2019 rund 73.000 Arbeitsplätze.
Wie viele Insolvenzen werden für 2026 erwartet?
Die Prognosen kennen nur eine Richtung: Allianz Trade erwartet rund 24.500 Unternehmensinsolvenzen, Atradius hält bis zu 30.000 Fälle für möglich. Eine echte Trendwende erwarten Ökonomen frühestens 2027.
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Quellen
- 1 Statistisches Bundesamt (destatis.de)
- 2 IWH Halle (iwh-halle.de)
- 3 InsolvenzTracker (insolvenztracker.de)
- 4 DIHK (dihk.de)
- 5 Statistisches Bundesamt (destatis.de)
- 6 IWH Halle (iwh-halle.de)
- 7 InsolvenzTracker (insolvenztracker.de)
- 8 Creditreform (creditreform.de)
- 9 Statistisches Bundesamt (destatis.de)
- 10 Creditreform (creditreform.de)
- 11 ifo-Institut (ifo.de)
- 12 FalkenSteg (falkensteg.com)
- 13 Oliver Wyman (automobil-industrie.vogel.de)
- 14 ad-hoc-news (ad-hoc-news.de)
- 15 Retail News (retail-news.de)
- 16 Allianz Trade (allianz-trade.de)
- 17 Atradius (atradius.de)
- 18 InsolvenzTracker (insolvenztracker.de)
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